Robert Skuppin: „Radio gibt es eigentlich so lange wie den Hai“

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Robert Skuppin: „Radio gibt es eigentlich so lange wie den Hai“

Dieses Interview wurde am 18.05.2016 auf der alten Internetseite von JUNGPUBLIK veröffentlicht und befindet sich seit dem 18.09.2017 im Archiv. Im Text ehemals eingebettete Fotos und Videos sowie Verlinkungen auf Posts in sozialen Netzwerken könnten aus technischen Gründen fehlen. Der Interviewtext ist vollumfänglich unverändert.

Das Medium Radio steht nach dem Wegkauf der Sendung „sanft & sorgfältig“ von Jan Böhmermann und Olli Schulz durch „Spotify“ im Rampenlicht. Private Anbieter preschen auf den Markt und mischen die Karten scheinbar neu. Alles kein Problem, findet Robert Skuppin, Programmchef von „radioeins“.
Im Rahmen des Interviews wurden diverse Fragen zu den Themen Konkurrenz, „Spotify“ und Kritik an Öffentlich-Rechtlichen gestellt. Die Pressestelle des „rbb“ hat im Zuge der Autorisierung des Interviews einige Antworten gänzlich gestrichen. Dies wird an den betreffenden Stellen des Interviews, zum Verständnis, angezeigt.

 

JUNGPUBLIK: Herr Skuppin, belebt Konkurrenz das Geschäft?

Robert Skuppin: Ja, auf jeden Fall. Es ist gut, dass es Konkurrenz gibt. Das mag für den ein oder anderen ärgerlich sein – beispielsweise jetzt für uns, weil wir zwei lieb gewonnene Moderatoren verloren haben. Für Streamingdienste ist es wiederum möglicherweise ärgerlich, wenn sie feststellen, dass alles auch ein Echo hat, sie also jetzt auch als Konkurrenten wahrgenommen werden.

Im Interview mit „ZAPP“ sagten sie, dass „Spotify“ die Marktregeln nicht kenne. Was meinen Sie damit?

(Anm. d. Red.: Die Pressestelle des „rbb“ hat die Antwort auf diese Frage im Zuge der Autorisierung des Interviews gänzlich gestrichen.)

Vielleicht müssen die Öffentlich-Rechtlichen einfach mehr Geld in die Hand nehmen, damit ihre Talente nicht abwandern?

Skuppin: Für die Öffentlich-Rechtlichen ist es nicht gerade einfach. Das wissen alle. Allerdings werden die Diskussionen nicht fair geführt. Auf der einen Seite wird den Öffentlich-Rechtlichen vorgeworfen, zu wenig Geld in die Hand zu nehmen und auf der anderen Seite wird der Rundfunk dafür gescholten, dass Thomas Gottschalk angeblich viel Geld hinterhergeworfen wurde.

Was muss sich dann Ihrer Ansicht nach ändern, damit ein Wegkauf nicht mehr vorkommt?

(Anm. d. Red.: Die Pressestelle des „rbb“ hat die Antwort auf diese Frage im Zuge der Autorisierung des Interviews gänzlich gestrichen.)

Denken Sie, dass große Unternehmen den Öffentlich-Rechtlichen in den nächsten Jahren des Öfteren reingrätschen werden?

Skuppin: Das kann sein. Schließlich ist die gesamte Medienlandschaft in Bewegung. Es gibt immer neue Geschäftsmodelle und damit auch Veränderungen. Aber das Radio gibt es eigentlich so lange wie den Hai – und den Hai gibt es seit Millionen von Jahren. Der hat sich an alle Veränderungen anpassen können und die Zeit schadlos überstanden. Dem Hörfunk wird es nicht anders gehen.

Robert Skuppin, geboren 1964, studierte Publizistik, Politologie und Geschichte. Im Jahr 2011 wurde er als Nachfolger von Florian Barckhausen, der in den Ruhestand ging, Programmchef beim „rbb“-Sender „radioeins“. Hier lief zwischen September 2012 und April 2016 die Sendung „sanft & sorgfältig“ mit Olli Schulz und Jan Böhmermann, bis die beiden Moderatoren ankündigten, zum Streamingdienst „Spotify“ zu wechseln.

Das Medium Radio ist von den großen Veränderungen der letzten Jahre relativ verschont geblieben, wenn man es beispielsweise mit Presseerzeugnissen aus dem Print-Bereich vergleicht. Was für große Veränderungen stehen dem Hörfunk bevor?

Skuppin: Das würden wir alle gerne wissen. Klar ist, dass Radio auf jeden Fall weiterleben wird, aber nicht unbedingt nur in dieser Form. Aber was für Veränderungen es konkret geben wird, lässt sich schwer sagen. Wir stellen fest, dass die älteren Zielgruppen völlig unberührt von den Möglichkeiten des Netzes sind und ihr Radio weiterhin anschalten. Die junge Zielgruppe hingegen weiß fast gar nicht mehr, was ein Radio überhaupt ist. Das verheißt ja eigentlich nichts Gutes für die Zukunft des Hörfunks. Mit der Zeit gibt es aber immer mehr neue Möglichkeiten. Die Diskussion darüber, ob man sich von UKW verabschiedet und auf DAB+ wechselt, ist ja bloß der Anfang. Deshalb mache mir keine großen Sorgen um die Zukunft des Radios. Als es am Anfang der 2000er mit den Onlineradios losging, stand auch eine vermeintliche Hörfunk-Revolution bevor. Passiert ist jedoch fast nichts.

Das klingt aber eher so, als würde es in der Zukunft keine großen Veränderungen in der Radiolandschaft geben.

Skuppin: Es ist schwer zu sagen, wie die Zukunft aussehen wird. Ich denke aber, dass Moderation und Regionalität eine große Rolle spielen werden. Vor allem dann, wenn sich internationale Unternehmen mit lokalen Radiostationen messen müssen.

Sie meinen, dass das Radio auf lange Sicht seine Nase vorn haben wird?

Skuppin: Ich denke nicht, dass Dienste wie „Spotify“ so viele Leute erreichen werden wie wir. Ich kann mich aber auch täuschen. Ich habe damals „Titanic“ in der Premiere gesehen und dachte, dass das ein riesiger Flop wird. Meine Prognose bedeutet also gar nichts. Ich denke aber, dass ein Epochenwechsel noch nicht bevorsteht.

Haben Sie nicht die Sorge, dass das Radio als Talentschmiede für gute Moderatoren dient, die irgendwann wegen des Geldes abwandern, wenn sie es zu Popularität geschafft haben?

Skuppin: Das ist nie anders gewesen. „Video killed the radio stars.“ Irgendwann kam das Fernsehen und unglaublich viele Menschen sind vom Radio ins Fernsehen gegangen. Das ist bis heute so geblieben. Radio war schon immer das Medium, wo man nie richtig viel Geld verdient hat. Zwischendurch ging das mal im Fernsehen – das hat sich aber auch geändert.
Vielleicht kann man in Zukunft bei Start-Ups, die im Onlinebereich tätig sind, viel Geld verdienen. Ich finde es aber problematisch, dass man sich dort oft dem Aufbau einer Redaktion verschließt. Das scheint man nicht zu wollen, weil es nicht nur mühsam ist, sondern auch viel kostet.

Können sich die Öffentlich-Rechtlichen nicht verstärkt junge Menschen mit frischen Ideen ins Boot holen?

Skuppin: Es ist ja nicht so, dass bei den Öffentlich-Rechtlichen nur alte Menschen arbeiten, die keine Ahnung vom Internet haben. Unser Hauptproblem ist kein Mangel an Kreativität oder an Talenten, sondern ein ganz anderes: Wir dürfen vieles einfach nicht. Es gibt juristische Beschränkungen.

Was heißt das konkret?

Skuppin: Im Internet dürfen wir nur programmbegleitend tätig sein. Wenn wir das Internet als richtige Multiplattform nutzen dürften, wie das Streamingdienste und private Radiostationen machen, möchte ich mir gar nicht vorstellen, was im Netz los wäre.

Sie vermuten Protest auf Seiten der privaten Anbieter?

Skuppin: Die privatwirtschaftliche Konkurrenz hat sicherlich ein Interesse daran, dass die Verbote bestehen bleiben. Ich denke, dass vor allem Streamingdienste es viel schwerer hätten, wenn die Öffentlich-Rechtlichen das Internet richtig bespielen dürften.
Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass sich der Markt ganz neu gestalten würde, wenn es weniger Restriktionen für die Öffentlich-Rechtlichen gäbe. Dann würden sich sicherlich die Privaten darüber beschweren, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihre Geschäftsmodelle kaputt machen.

Es wäre richtig, wenn man die Restriktionen aufheben würde?

Skuppin: Ich denke, dass sich mit dem Jugendangebot von ARD und ZDF dort etwas tut. Schauen wir mal, wie sich das entwickelt.
(Anm. d. Red.: Die Pressestelle des „rbb“ hat die Antwort auf diese Frage im Zuge der Autorisierung gänzlich abgeändert.)

Sie spielen auf einen Artikel der „WELT“ an?

(Anm. d. Red.: Die Pressestelle des „rbb“ hat die Antwort auf diese Frage im Zuge der Autorisierung des Interviews gänzlich gestrichen.)

Sie würden also nicht von einem Kreativitätsproblem sprechen?

Skuppin: „radioeins“ hat keine Kreativitätsprobleme. Wir machen ein erfolgreiches und kreatives Programm, das gerne gehört wird und unsere Mitarbeiter sind von alter und neuer Konkurrenz umworben.
(Anm. d. Red.: Die Pressestelle des „rbb“ hat die Antwort auf diese Frage im Zuge der Autorisierung nahezu gänzlich abgeändert.)

Im Artikel der „WELT“ wird auch angedeutet, dass Ihre Kritik an „Spotify“, dem Unternehmen würde es an einem Geschäftsmodell mangeln, unberechtigt sei, weil die Öffentlich-Rechtlichen selbst keines hätten.

(Anm. d. Red.: Die Pressestelle des „rbb“ hat die Antwort auf diese Frage im Zuge der Autorisierung des Interviews gänzlich gestrichen.)

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Justus Demmer, rbb

Liebe Kollegen,
es war schon zu Beginn des Gesprächs ganz klar, dass ein Teil Hintergrund bzw. nicht zur Veröffentlichung sein wird. Das war unstrittig. Die Darstellung, wir hätten jetzt im Nachhinein unabgesprochen „eingegriffen“, finde ich, vorsichtig gesagt, stark verkürzt. Dann hätten wir im Vorfeld andere Spielregeln vereinbaren müssen, dann wäre auch das Interview anders abgelaufen.
Beste Grüße,
Justus Demmer, Unternehmenssprecher Rundfunk Berlin-Brandenburg

Michael

Lieber Kollege Justus,
wenn der Robert auf einfache, naheliegende aktuelle Fragen als Radio-Eins-Chef antwortet und anschliessend von Euch Rechtsverdrehern derart redigiert werden muss, nachdem er selbst das Ding mit seinem knalligen Böhmermann-Kommentar in Gang gebracht hat, dann würde ich mich an seiner Stelle jetzt mehr als deppert vorkommen. Beste Grüße von Radio-Eins-Hörer Michael aus Rostock

JUNGPUBLIK

Lieber Michael,
vielen Dank für deinen Kommentar. Wir freuen uns über einen Meinungsaustausch auf JUNGPUBLIK.
Mit Worten wie „Rechtsverdreher“ bewegst du dich allerdings auf dünnem Eis.
Eine bedachtere Wortwahl vereinfacht die sachliche Diskussion.

JUNGPUBLIK

Holger

Lieber Justus,
vielen Dank für deinen Kommentar. Wir Leser freuen uns über einen Meinungsaustausch auf JUNGPUBLIK.
Gibt es – von der kleinlichen Krittelei an Michaels umgangssprachlichem Ausdruck „Rechtsverdreher“ mal abgesehen – auch etwas zur Sache selber zu sagen? Warum zensiert die Pressestelle des RBB ihre eigenen Chefredakteure?

Holger

Sorry, ich sehe gerade (und damit leider zu spät), dass die Antwort an Michael ja von JUNGPUBLIK und nicht von Justus Demmer ist, da hab ich mich wohl vertan.

Lars

Sehr geehrter Herr Demmer,

was möchten Sie mit Ihrer (dankenswerterweise hier geposteten) Stellungnahme andeuten? Dass an dieser Stelle Geschäftsgeheimnisse des RBB verletzt wurden? Die aufgeführten Fragen erscheinen mir ausgesprochen legitim und bergen für den Gebührenzahler einen durchaus gehobenen Interessensgehalt. Angesichts der Tatsache, dass sich auch Ihre Sendeanstalt einem gewissen Transparenzgedanken unterordnen sollte, mutet es recht verwunderlich an, einem Senderchef derart den Mund zu verbieten. Insbesondere zu dem hier behandelten Themenkomplex erwartet der Konsument fundierte Antworten und keine geschäftspolitisch motivierte öffentlich-rechtliche Mauertaktik.

Freundliche Grüße

Lars

(ebenfalls langjähriger RBB-Hörer)

Jan Kradenjuk

Ich muss sagen, dass ich die Diskussion nicht verstehe. Für mich hat sich schon jede Diskussion erübrigt, wenn man mal zur Kenntnis nimmt, dass „öffentlich-rechtlich“ nichts anderes als erzwungenes Pay-TV ist. Meistens sowieso nur Regierungspropaganda. Weg damit. Das ist das einzig Richtige!

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