Krzysztof Walczak (AfD): „Wir stehen vor einer Wende des Zeitgeistes“

Archiv
Krzysztof Walczak (AfD): „Wir stehen vor einer Wende des Zeitgeistes“

Dieses Interview wurde am 25.05.2016 auf der alten Internetseite von JUNGPUBLIK veröffentlicht und befindet sich seit dem 18.09.2017 im Archiv. Im Text ehemals eingebettete Fotos und Videos sowie Verlinkungen auf Posts in sozialen Netzwerken könnten aus technischen Gründen fehlen. Der Interviewtext ist vollumfänglich unverändert.

In einem Punkt scheint sich die AfD einig zu sein: Die Medien behandeln die Partei unfair und stellen vieles absichtlich falsch dar.
JUNGPUBLIK traf Krzysztof Walczak, den stellvertretenden Bundesvorsitzenden der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA). Im Café Paris, unweit des Hamburger Rathauses, spricht er mit uns über Nationalstolz, Sexismus und den Islam. Das Interview ist lang geworden und beschäftigt sich intensiv mit den konkreten Forderungen der AfD und JA. Einige Antworten sind vielleicht in ihrem Umfang eher untypisch für publizierte Gespräche. Doch es ist wichtig, genau zuzuhören, um die AfD – und ihren Nachwuchs – einordnen zu können.


JUNG
PUBLIK: Herr Walczak, was bewegt einen jungen Menschen wie Sie, in die AfD einzutreten?

Walczak: Die AfD spiegelt meine politische Meinung am besten wider. Ich habe früher immer die CDU gewählt, weil ich mich selbst als Konservativen verstehe. Die CDU vertritt aber keine konservativen Positionen mehr und deswegen ist die AfD meine Partei. Ich glaube auch, dass es schon aus einem staatsbürgerlichen Ethos heraus wichtig ist, sich politisch zu engagieren.

Ihrer Partei schlägt sehr viel Hass entgegen. Können Sie das verstehen?

Walczak: Ich kann nachvollziehen, warum es ihn gibt. Man hat immer dann zu kämpfen, wenn man als Außenseiter eine Meinung hat, die deutlich vom Mainstream abweicht. Historisch sei als Beispiel die 68er-Generation genannt – in den 50er oder 60er Jahren politisch links zu stehen war sicherlich genauso schwer, wie sich heutzutage zur AfD zu bekennen. Wir leben jedoch in einer demokratischen, liberalen Gesellschaft. Darum finde ich den unfassbaren Hass gegenüber meiner Partei, der sogar bis zur Gewalt reicht, vollkommen ungerechtfertigt.

Sie nennen als Beispiel die 68er-Generation. Würden Sie die historische Parallele ziehen und sagen, dass wir in Deutschland in Zeiten des Umbruchs sind?

Walczak: Ich bin als Konservativer immer sehr vorsichtig, irgendwelche Revolutionen an die Wand zu malen. Aber ich würde schon sagen, dass wir vor einer Wende des Zeitgeistes stehen – einer friedlichen Wende. Die politischen Übertreibungen der 68er-Revolution werden langsam wieder eingehegt.

Wie sieht diese Wende aus?

Walczak: Menschen beginnen politische Sachverhalte, die sie lange für selbstverständlich gehalten haben, zunehmend zu hinterfragen. Nehmen Sie nur als Beispiel den Nationalstolz. In Deutschland war Patriotismus über Jahrzehnte hinweg keine zulässige politische Kategorie. Ich glaube, die patriotische Grundstimmung, die zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 herrschte, überträgt sich mittlerweile auch in den politischen Bereich. Das ist auch richtig so. Kein anderer Staat hat so ein verkrampftes Verhältnis zur eigenen Nationalität wie Deutschland.

Krzysztof Walczak, geboren 1994 in Toruń (Polen), ist Student der Rechtswissenschaft an der Bucerius Law School in Hamburg und engagiert sich seit dem Jahr 2014 in der AfD. In der AfD-Jugendorganisation „Junge Alternative“ (JA) hat er in Hamburg die Position des Landesvorsitzenden inne, zudem ist er stellvertretender Bundesvorsitzender.
In der JA gilt Walczak, genauso wie der JA-Bundesvorsitzende Markus Frohnmaier, als Vertreter des nationalkonservativen Flügels.

Was bedeutet Deutschland für Sie?

Walczak: Ich bin als Migrant mit meinen Eltern nach Deutschland eingewandert. Deutschland ist für mich in erster Linie eine Hochkultur. Wir haben ein unglaubliches soziales Sicherungssystem und einen unbeschreiblichen Wohlstand. Wir haben Freiheit – Pressefreiheit und Meinungsfreiheit. Das gibt mir als Individuum die Chance, mich selbst zu „verwirklichen“ – um mal eine beliebte Floskel der Linken zu verwenden.

Was ist so wichtig an Nationalstolz in solch einer globalisierten Welt?

Walczak: Nationalstolz ist zum einen wichtig dafür, dass wir die Hochkultur, von der ich sprach, bewahren können. Zum anderen hat es derjenige, der eine gefestigte Identität vorweisen kann, deutlich leichter, Fremden oder etwas Unbekanntem gelassen gegenüberzustehen.
Wenn man sich zum Beispiel die Islamdebatte vor Augen führt, wäre das Problem wesentlich geringer, wenn viele Deutsche ganz genau wüssten, was es überhaupt bedeutet, deutsch zu sein. Viele Deutsche wissen das heutzutage nicht mehr. Dadurch haben wir gewaltige Probleme – insbesondere mit dem Islamismus und mit der Einwanderung. Wenn es nämlich kein Leitbild gibt, dem man sich anpassen kann, ist Integration per se unmöglich.

Meinen Sie, mit einer von Nationalstolz geprägten Identität ist es wirklich einfacher, etwas Fremdes aufzunehmen?

Walczak: Ja, definitiv. Mit dem Islam assoziieren Sie sofort einen spezifischen Identitätskern, Sie verknüpfen damit eine ganz bestimmte Art und Weise zu leben, die sich in einer religiösen Praxis niederschlägt. Das geht sogar bis zur Kleidung; das Kopftuch wird beispielsweise automatisch mit dem Islam assoziiert. Wenn Sie sich jetzt einen Bayer vorstellen, mit einer sehr gefestigten bayerischen Identität, der sieht, dass es immer mehr Kopftücher gibt, dann ist das für ihn vielleicht unbedeutender, weil er weiß: „Ich bin hier ein Bayer, ich trage meine Trachten. Alles ganz locker.“

Wenn man seine bayerischen Traditionen pflegt und einem plötzlich etwas Neues begegnet – fühlt man sich dann nicht erst recht in seiner Identität bedroht?

Walczak: Schauen Sie sich mal an, wo es die größten Integrationsprobleme in Deutschland gibt. Die gibt es nicht in Bayern, sondern in sehr schnelllebigen Großstädten, wo Menschen wenige Bindungen, Traditionen, Sitten und Gebräuche haben und deshalb oft identitätslos sind. Es spricht, meiner Meinung nach, sehr viel für die These, dass eine gefestigte Identität zu einem lockeren Umgang mit dem Fremden führt.

Ist man bei so viel eigener Tradition überhaupt noch offen für etwas Neues?

Walczak: Ja. Sie können ja nur offen für etwas Neues sein, wenn Sie selbst einen Bezugspunkt haben. Wenn Sie in der Welt überhaupt keinen Bezugspunkt haben und nur eine Form von beliebigem „Multikulti-Mischmasch“ inhalieren, dann hat das keine Substanz.

Ihr Parteikollege Markus Frohnmaier, der Bundesvorsitzende der JA, wird im „Tagesspiegel“ mit den Worten zitiert: „Wir müssen Politik machen wie die ‚Bild-Zeitung’ schreibt. Einfach, direkt, für die Menschen.“ Ist das auch Ihre Meinung?

Walczak: Ja, absolut.

Große Schlagzeilen, wenig Inhalt – ist das nicht plump und leer?

Walczak: Herr Frohnmaier hat nicht über die Inhalte der Politik gesprochen, sondern wie man sie vermitteln sollte. Mit jeder unserer „Schlagzeilen“ haben wir uns natürlich intellektuell auseinandergesetzt. Wir fragen uns aber auch, wie wir es schaffen können, politische Inhalte zu transportieren. Und das schafft man nicht, indem man so uncool wie die Altparteien kommuniziert. Man muss die Leute an ihren Emotionen packen, man muss vereinfachen. Wenn Sie den Anspruch haben, sich von A bis Z mit einem Thema auseinanderzusetzen, müssen Sie zwangsläufig ein Universitätsseminar aufsuchen. Das kann politische Kommunikation nicht leisten.

Das klingt so, als würden Sie Ihrer potentiellen Wählerschaft absprechen, komplexe Sachverhalte aufnehmen zu können.

Walczak: Nein, das spreche ich ihr nicht ab. Es ist immer eine Frage des Publikums und der Situation. Wenn Sie sich unser Parteiprogramm durchlesen, finden Sie alles ausführlich erläutert. Es steht jedem frei, sich das anzuschauen. Das Problem ist aber, dass der Anteil an Leuten, die sich tagtäglich für Politik interessieren, vielleicht bei 10 Prozent liegt. Deshalb muss man die Leute dort abholen, wo sie stehen – und im Zweifel stehen sie eben nicht bei uns, bei irgendeiner Infoveranstaltung, wo wir zwei Stunden lang über ein bestimmtes Thema in aller Ausführlichkeit reden, sondern hören sich stattdessen in der „Tagesschau“ einen zehnsekündigen O-Ton an, in dem knackig auf den Punkt gebracht werden muss, was wir politisch für richtig halten.

Die JA sagt selber, dass sie provozieren möchte. Ein Beispiel hierfür sind die sexistischen Wahlplakate im Rahmen Ihrer Anti-Feminismus-Kampagne.

Walczak: Ich würde Sie erstmal fragen, was daran sexistisch ist.

Sie versuchen, Ihre politischen Inhalte durch sexuelle Anspielungen zu bewerben. Eine leicht bekleidete Frau hat nichts mit Ihren politischen Forderungen zu tun.

Walczak: Die Intention der Kampagne war, auf das äußerst puritanische Diskussionsklima in Deutschland einzugehen. Heiko Maas – unser liebster Justizminister– möchte jetzt zum Beispiel sexistische Werbung verbieten. Das ist für mich eine Form der Diskursunfähigkeit und auch eine Form von Illiberalität, gegen die ich mich entschieden wende. Was spricht denn dagegen, eine schöne Frau in der Werbung zu zeigen – gerne auch mit mehr Haut? Wir leben doch nicht mehr im Mittelalter!

Walczak: Nein. Durch dieses Plakat wurden zwei politische Inhalte transportiert: Einerseits, dass wir gegen das EEG sind und, andererseits, dass wir uns gegen politische Korrektheit wenden. Wir haben genau diese Reaktion vorausgesehen, dass Moralapostel und Puritaner uns erzählen würden, so ein Plakat gehe nicht an, weil das sexistisch sei. Natürlich ist das eine gezielte Provokation, aber ich würde nachdrücklich bestreiten, dass dadurch per se alle Frauen abgewertet werden. Sie meinen vermutlich: Es könnte möglicherweise Frauen geben, die unsere Plakate nicht schön finden oder die sich sogar beleidigt fühlen. Dem würde ich jedoch entgegnen, dass das die Gefahr einer offenen Gesellschaft ist: Meinungen zu hören und Plakate zu sehen, die einem nicht passen. Die JA hat übrigens auch genug Wahlplakate mit leicht bekleideten Männern gemacht.

Wenn Sie von „Moralaposteln“ sprechen, deuten Sie damit an, dass Sie nicht viel von Moral halten?

Walczak: Ich halte sehr viel von einer echten Moral, aber nichts von einer Pseudo-Moral, die in sich nicht schlüssig und damit unbegründet ist. Ich verwehre mich beispielsweise immer dagegen, die eigenen politischen Ansichten zu einer Moral zu stilisieren. Ich würde nie behaupten, dass eine Person unmoralisch sei, weil sie meine politische Meinung nicht teilt.

Nach den Brüsseler Attentaten forderte die JA, dass fortan keine muslimischen Kriegsflüchtlinge in Deutschland mehr aufgenommen werden sollen, weil von ihnen ein potentielles Sicherheitsrisiko ausgehe. Stößt sich das nicht mit Ihrer ursprünglichen Forderung, Kriegsflüchtlingen Asyl zu gewähren?

Walczak: Nein, das stößt sich nicht mit der ursprünglichen Forderung. Die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen ist nicht gleichzusetzen mit einer unbegrenzten Aufnahme von Kriegsflüchtlingen jeglicher Couleur, insbesondere jeglicher Religion. Sie können beispielsweise ein Kontingent an christlichen Kriegsflüchtlingen aus dem Nahen Osten aufnehmen. Das ist ohnehin die gefährdetste Gruppe in der Region, und das fordern auch unsere osteuropäischen Nachbarn vollkommen zu Recht.

Sie schreiben in Ihrer Programmatik, dass Sie mit Sorge eine zunehmende Islamisierung mancher Gegenden Deutschlands wahrnehmen und Respekt vor der freiheitlich-demokratischen Grundordnung fordern. Das suggeriert, dass unsere innere Sicherheit bedroht ist.

Walczak: Sie ist jedenfalls heutzutage mehr bedroht als sie es vor zehn oder zwanzig Jahren war.

Laut Ihrer Forderung sind Muslime ein Sicherheitsrisiko. Wäre, Ihrer Logik folgend, nicht der nächste, folgerichtige Schritt, zu sagen: „Alle Muslime raus aus Deutschland“?

Walczak: Nein! Ich habe nicht gesagt, dass Muslime per se kriminell sind.

Aber werden sie durch Ihre Forderung nicht unter Generalverdacht gestellt?

Walczak: Nein. Wir weisen darauf hin, dass zwischen Islam, Islamismus und Terrorismus selbstverständlich ein Zusammenhang besteht. Damit ist noch kein Generalverdacht begründet. Wir fordern nicht „Alle Muslime raus aus Deutschland“. Das werden Sie von uns nicht hören.

Das widerspricht also nicht Ihrer Ansicht, dass Muslime ein Sicherheitsrisiko für Deutschland sind?

Walczak: Nein, unsere Forderung stellt vielleicht diejenigen Muslime, die zu uns stoßen wollen, unter einen gerechtfertigten Verdacht. Die Muslime, die hier leben, sind hingegen von unserer Forderung nicht betroffen. Wenn Sie sich aber anschauen, wer im Westen die meisten Terroranschläge begangen hat, dann waren es in einer überwältigenden Mehrheit immer Muslime. Diese Religion ist auf eine ganz besondere Art und Weise für Radikalisierungstendenzen zugänglich und dadurch auch für Terrorismus. Das soll nicht alle Muslime, die in Deutschland leben, vorverurteilen. Aber es ist doch schon wichtig, sich diese Durchschnittswerte vor Augen zu halten und nicht noch mehr Muslime ins Land zu holen. Was immer sehr gerne ignoriert wird, ist der Umstand, dass die AfD meistens über Durchschnittswerte spricht. Aber das Konzept von Durchschnittswerten verstehen unsere politischen Gegner nicht. Wir verurteilen eben nicht alle.

Also der „Durchschnittsmuslim“ fällt unter Verdacht?

Walczak: Nein, der Durchschnittsmuslim steht nicht unter Verdacht. Es gibt aber Erscheinungen im Islam, auch im Durchschnitt, die ich hier nicht haben will. In einer aktuellen Umfrage in Großbritannien möchten 52 Prozent aller Muslime – nicht Islamisten! – Homosexualität kriminalisieren. Unter diesen Vorzeichen kann der Islam nicht zu Deutschland gehören.

Sie fordern auch ein Kopftuchverbot für Staatsbedienstete. Was möchten Sie damit bezwecken?

Walczak: Man bezweckt dadurch, dass der Staat weltanschaulich neutral ist. Und dass Staatsbedienstete sich nicht mit einem Symbol zu einer Religion bekennen, die nicht repräsentativ ist für diesen Staat.

Christen beispielsweise dürften dann auch keine Kreuzkette im Staatsdienst tragen?

Walczak: Das ist natürlich die Gretchenfrage. Im Sinne der Verhältnismäßigkeit würde ich es so lösen: Wenn eine Polizistin sich als Nonne verkleiden würde, wäre ich dagegen. Wenn aber irgendjemand ein kleines Kreuz – oder auch meinetwegen einen kleinen Halbmond – trägt, finde ich das in Ordnung.

Sind Sie denn auch dagegen, dass Schülerinnen im Unterricht Kopftücher tragen?

Walczak: Ja. Es gibt natürlich eine sehr geringe Zahl an jungen Muslimas, die sich sehr bewusst für das Kopftuch entscheiden. Jedoch halte ich diese Zahl in der Praxis für vernachlässigbar. Das Kopftuch wird der Tochter in den meisten Fällen vom Elternhaus oktroyiert und ist für mich – um es in aller Schärfe zu sagen – ein Zeichen der Unfreiheit. Die Schüler sind in der Schule, um gebildet zu werden und um Werte zu lernen. Nicht, um ihre Religion auszuleben.

Zu unseren Werten gehört nicht die Religionsfreiheit?

Walczak: Doch, aber die Religionsfreiheit ist nicht absolut. Die Religionsfreiheit ist ein Grundrecht, das durch andere Grundrechte und durch die Verfassung anerkannte Rechtsgüter immanent eingeschränkt werden kann. Der Staat und seine Veranstaltungen – also auch das Bildungssystem – haben nach meinem Dafürhalten weltanschaulich neutral zu sein.

Sie sprechen sich in Ihrem Programm auch gegen einen Schulunterricht aus, der sich mit sexueller Vielfalt befasst. Auf der anderen Seite fordern Sie, dass der Staat dem Bürger kein bestimmtes Weltbild aufdrängt. Wie passt das zusammen?

Walczak: Niemand hat etwas dagegen, dass im Biologieunterricht auf eine wissenschaftliche Art und Weise über verschiedene Formen von Sexualität aufgeklärt wird. In verschiedenen Bildungsplänen – insbesondere in solchen, die unter grüner Beteiligung entstanden sind – ist es aber sehr häufig so, dass dieser Aspekt der sexuellen Vielfalt in alle Unterrichtsbereiche hineingetragen werden soll. Der Staat nimmt dadurch eine Wertung vor, die in tiefster Weise politisch ist und auch das Erziehungsrecht der Eltern einschränkt.

Sexuelle Vielfalt ist also etwas Politisches?

Walczak: Selbstverständlich. „Sexuelle Vielfalt“ ist ein politischer Kampfbegriff der Linken.

Sie mögen keine Linken, oder?

Walczak: Ja, natürlich nicht. Denn die Linken liegen mit ihren Forderungen politisch falsch.

Eltern wissen also, was das Beste für ihre Kinder ist?

Walczak: Ich stimme mit dem Grundgesetz überein. Das Grundgesetz räumt den Eltern ein umfassendes Recht dazu ein, ihre Kinder nach den eigenen Wertvorstellungen zu erziehen. Das umfasst auch das Recht, den Kindern eine traditionellere Sexualmoral mitzugeben. Und wie gesagt: Niemand ist gegen einen wissenschaftlich fundierten, altersangemessenen Biologieunterricht. Den Kindern wird aber beigebracht, dass sie ihre Sexualität unbedingt erforschen müssten und dass Homosexualität oder bestimmte Sexualpraktiken ganz großartig seien. Der Staat hat den Kindern aber nicht zu erklären, ob diese oder jene Sexualpraktik oder auch Homosexualität gut oder schlecht sind.

Machen wir einen Sprung in Ihrem Programm: Sie befassen sich ausführlich mit dem Thema Linksextremismus, gehen hingegen nur an einer Stelle ganz kurz auf den Rechtsextremismus ein. Warum haben Sie sich in Ihren Forderungen nicht mit einem separaten Punkt dem Rechtsextremismus angenommen?

Walczak: Wir sind grundsätzlich gegen Extremismus jeder Art. Aber schauen Sie sich doch an, wer welche Themen bedient. Die Altparteien reden die ganze Zeit über Rechtsextremismus, das Thema ist also schon relativ gut versorgt von denen. Wir wollen hier eine Akzentuierung vornehmen, indem wir sagen: „Linksextremismus muss genauso bekämpft werden.“

Wenn die anderen Parteien etwas zu einem bestimmten Thema machen, können Sie das also aussparen?

Walczak: Wir sind nicht wie die Altparteien. Wenn Sie ein Wahlprogramm von der CDU oder der SPD lesen, bekennen sich alle mit blumigen Worten zu Begriffen wie „sozialer Gerechtigkeit“ oder – auch sehr beliebt – einem „guten Leben“. Das sind natürlich alles Plattitüden. Wir schreiben keine Dinge in unser Programm, die selbstverständlich und inhaltsleer sind.

Ist es politisches Kalkül, dass Sie einen separaten Punkt gegen Rechtsextremismus aussparen, um einige Ihrer Wähler nicht zu vergraulen?

Walczak: Sie hören in allen Reden von AfD-Politikern zu diesem Thema, dass wir gegen jede Form von Extremismus sind. Das lesen Sie auch in unserem Programm. Vielleicht hören die Rechtsextremen nicht richtig hin, wenn wir etwas sagen.

Hätten Sie ein Problem damit, auch aus der sehr rechten Ecke gewählt zu werden?

Walczak: Ich denke schon, dass ich ein Problem damit hätte, aber ich kann den Leuten auch nicht verbieten, uns zu wählen. Ich kann nur sagen, dass wir keine Rechtsextremen bei uns wollen. Wir können uns aussuchen, wer zu uns kommt, nicht aber, wer uns wählt.

Apropos Kontrolle: Sie fordern ein Null-Toleranz-Prinzip bei der Bekämpfung von Kriminalität. Geht die Polizei zu lasch mit den Bürgern um?

Walczak: Sie geht zu lasch mit den Kriminellen um. Wir haben ein großes Problem mit der Kriminalität. Und es hilft nicht, da mit einem sozialpädagogischen Gestus heranzugehen.

Sie halten von sozialen Maßnahmen nicht so viel?

Walczak: Das hängt davon ab, welche das sind. Selbstverständlich ist es sinnvoll, Kriminelle zu rehabilitieren. Aber nehmen Sie mal nur das Phänomen der Jugendkriminalität in Berlin-Neukölln. Diese sehr liberale Justiz und Polizeipolitik, die dort über Jahre betrieben wurde, hat erwiesenermaßen nicht funktioniert. Erst als die berühmte Jugendrichterin, Frau Heisig, angefangen hat, die Gesetze konsequent anzuwenden, hat sich die Situation dort etwas verbessert. Ich glaube deshalb nicht, dass wir mit einer Kuschelpolitik weiterkommen. Wenn der Staat die Rechte der Bürger nicht schützt, sie insbesondere nicht vor Kriminalität schützt, dann ist das schlicht und ergreifend eine Kapitulation des Staates.

Sie meinen, wir stehen vor der Kapitulation des Staates?

Walczak: In diese Richtung entwickelt es sich jedenfalls zunehmend, ja.

Sie sprachen eben die Rehabilitierung von Straftätern an. Die JA verwehrt aber Menschen, die zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr verurteilt wurden, die Mitgliedschaft.

Walczak: Wir als Partei und Jugendorganisation sind bis zu einem gewissen Grad eine Privatveranstaltung. Bei einer Privatveranstaltung darf ich mir natürlich aussuchen, wen ich mit einbeziehe. Wir wollen ab einer bestimmten Strafgrenze keine Kriminellen bei uns haben – dafür schäme ich mich auch nicht.

Ist Politik nicht für alle Menschen gedacht?

Walczak: Politik ist für alle da, und dieser Staat ist für alle da. Aber mein Verein, mein Kaninchenzüchterverein oder meine Partei muss nicht für alle da sein. Ich kann mir sehr wohl aussuchen, wen ich aufnehme und wen nicht. Wenn Sie etwas gegen unsere Aufnahmepolitik haben, dann steht es Ihnen frei, Ihre eigene Partei oder Kaninchenzüchterverein zu gründen.

Sie äußern ein generelles Misstrauen in die Politik, die Polizei, die Justiz. Worauf können wir in Deutschland eigentlich noch bauen?

Walczak: Auf die Demokratie. Dass dieses System – so viel wie man daran auch kritisieren kann – funktioniert, sehen wir auch daran, dass Parteien wie die AfD entstehen und die Politik gewaltfrei ändern können. Wenn Probleme bestehen, muss man das offen ansprechen und kritisieren. Daran halte ich mich fest. Demokratie lebt doch gerade vom Misstrauen, von gegenseitiger Kontrolle und nicht zuletzt der Beschränkung staatlicher Macht.

Kommentar verfassen:

Sortieren nach:   neuester | ältester
Ego21

Ich finde es nicht gut, dass dieser Nicht-Bio-Deutscher Mitglieder JA/AfD ist. Alleine schon deswegen, weil er aus einem Land stammt, aus dem viele Autoschieberbanden kommen.

fine

Ein gebürtiger Pole erklärt Deutschen, was die 68 er Revolution(?) war und was deutsche Hochkultur( Rechtsradikale Parteien wie NPD und AfD, Seximus, Übergriffe auf Asylheime etc) ist. Und faselt von einer Wende des Zeitgeistes..Sorry, aber merken die AfD ler eigentlich nicht, wie lächerlich sie sind?

w.liebrand

Sollten Ariër nicht Blond sein und blaue augen haben ab nach Polen damit.

[…] zu um ein Interview gebeten zu werden. Gesagt, getan – ich habe zwei Jungjournalisten aus Hamburg ein Interview gegeben. Soweit alles […]

wpDiscuz